{"id":864,"date":"2023-02-22T10:43:45","date_gmt":"2023-02-22T08:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/fs-politik.stura.uni-heidelberg.de\/?p=864"},"modified":"2023-02-24T16:43:31","modified_gmt":"2023-02-24T14:43:31","slug":"powi-lasst-uns-drueber-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fs-politik.stura.uni-heidelberg.de\/index.php\/2023\/02\/22\/powi-lasst-uns-drueber-reden\/","title":{"rendered":"Powi \u2013 lasst uns dr\u00fcber reden"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">In der aktuellen Ausgabe des <i>Ruprecht <\/i>besch\u00e4ftigt sich ein anonymer \u201eErfahrungsbericht\u201c mit dem Politikwissenschaftsstudium an unserer Universit\u00e4t. Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Die Politikwissenschaft sei eine brotlose Kunst ohne wirtschaftlichen Nutzen, deren Common-Sense-Theorien nicht alles und damit gar nichts erkl\u00e4ren k\u00f6nnten und bis auf die Ausnahme weniger sogenannter \u201eSonderlinge\u201c vor allem Halbinteressierte anzieht. Autsch.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Fachschaft Politik tut dieser Erfahrungsbericht weh. Nicht nur, weil diese Erfahrungen nicht den Erfahrungen der meisten unserer Studierender entsprechen, wie Umfragen nach der Ver\u00f6ffentlichungen ergeben haben. Nicht nur, weil unsere Studierenden weder wenig politisch interessiert noch sogenannte \u201eSonderlinge\u201c sind. Nicht nur, weil diese ganze <i>Ruprecht<\/i>-Seite auch die kritische Auseinandersetzung mit politikwissenschaftlicher Forschung und Lehre in Heidelberg h\u00e4tte aufgreifen k\u00f6nnen, die Fachschaft und Institutsleitung st\u00e4ndig f\u00fchren. Sondern vor allem, weil die meisten von uns \u2013 Au\u00dfenstehende m\u00f6gen es kaum glauben \u2013 tats\u00e4chlich f\u00fcr unser Fach brennen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Warum also wollen wir es doch nicht sein lassen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Nichts entscheidet so konkret \u00fcber das Zusammenleben von Menschen wie die Politik. Und sie ist mehr als die spitz formulierte Schlagzeile auf dem Titelblatt oder die hundertste phrasenreich nichtssagende Talkshow-Diskussion am Donnerstagabend. Wir studieren dieses Fach nicht, weil wir mit Fachw\u00f6rtern \u00fcber das Showgesch\u00e4ft Weltpolitik diskutieren wollen, sondern weil wir verstehen wollen, wie unser Zusammenleben funktioniert.<\/p>\n<p align=\"justify\">Deshalb fasziniert es uns, wenn Demokratieforscher:innen untersuchen, warum wir mitten in einer Autokratisierungswelle stecken. Wenn Wahlforscher:innen untersuchen, wie demokratische Regierungen das Wahlrecht gezielt manipulieren und die Demokratie still aush\u00f6hlen. Wenn Konfliktforscher:innen untersuchen, wie der Ausbau des Stra\u00dfennetzes mit der Anf\u00e4llig f\u00fcr Gewaltkonflikte zusammenh\u00e4ngt. Wenn Forscher:innen aus den Internationalen Beziehungen mit k\u00fcnstlicher Intelligenz psychologische Profile von gro\u00dfen Staatsfrauen und -m\u00e4nnern erstellen, um ihr Verhalten zu erkl\u00e4ren und vorherzusagen. Oder wenn Policy-Forscher:innen danach fragen, warum wir uns in der Klimapolitik einfach nicht einigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um es einmal sehr plakativ zu formulieren: Wenn wir die Welt verbessern wollen, m\u00fcssen wir die Politik verbessern. Und das schaffen wir nur, wenn wir sie verstehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und nat\u00fcrlich sind die Inhalte unseres Studiums \u2013 wie bei allen anderen Studieng\u00e4ngen auch &#8211; vorwiegend Instrumente. Sie erm\u00f6glichen Karrieren in der Wissenschaft, der aktiven Politik, im Journalismus, in Ministerien und Verwaltung, bei Internationalen Organisationen, an Schulen, in der Beratung und in der Privatwirtschafts erm\u00f6glichen. Damit sind die beruflichen Perspektiven nach einem Politikstudium deutlich breiter als bei manch anderem Studiengang. Das hat nat\u00fcrlich auch eine dunkle Seite: In einem Labyrinth geht die Orientierung schneller verloren als auf einer Einbahnstra\u00dfe. Einen Weg zum Ziel gibt es trotzdem.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Gef\u00fchl, das der Erfahrungsbericht versucht in Wort zu fassen, kennen sicherlich alle Studierenden, ganz unabh\u00e4ngig von ihrem Fach. Wir alle standen schonmal vor einem \u201eWas lerne ich hier eigentlich?\u201c, einem \u201eWas bringt mir das?\u201c und einem \u201eWo soll ich damit hin?\u201c. Gut m\u00f6glich, dass diese Gef\u00fchle im breit aufgestellten Politikwissenschafts-Studium h\u00e4ufiger auftritt als bei Mediziner:innen. Dieses Gef\u00fchl deshalb zum Fakt zu stilisieren, der unserem Fach die Existenzgrundlage und unserer Studierendenschaft die Kompetenz abspricht, geht aber deutlich zu weit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und trotzdem m\u00fcssen wir dar\u00fcber sprechen, woher dieses Gef\u00fchl kommt. Und das tun wir auch:<\/p>\n<p align=\"justify\">Sollte die Heidelberger Politikwissenschaft st\u00e4rker auf quantitative Forschung setzen? Braucht es im Laufe des Studiums mehr Einfl\u00fcsse von Praktiker:innen aus Ministerien, NGO\u2019s oder Internationalen Organisationen? Sollten Pr\u00fcfungsformen flexibler werden und sich mehr an der Arbeit in solchen Institutionen ausrichten? Braucht es eine ganze Einf\u00fchrungsveranstaltung, die nur schemenhaft \u00fcber die Teilbereiche unseres Faches fliegt? Sollte das Master-Studium mehr auf Tiefe als auf Breite setzen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Das sind nur einige Punkt aus einer wirklich langen Liste, an der Fachschaft und Institutsleitung seit Langem gemeinsam arbeiten. Schade, dass nicht eine dieser Fragen Platz in dem Erfahrungsbericht gefunden hat. Kein Wunder also, dass der Text keine Diskussion \u00fcber unser Fach und seine Lehre, sondern nur \u00fcber seine eigene Form ausgel\u00f6st hat. Schade, denn die Bereitschaft zur konstruktiven Diskussion ist da \u2013 und war es immer.<\/p>\n<p align=\"justify\">In einem Punkt hat der Erfahrungsbericht allerdings Recht: Wer grundlegend unzufrieden mit dem Studium ist, wer das Gef\u00fchl hat, die Orientierung zu verlieren und nicht wirklich wei\u00df, wohin die Politikwissenschaft f\u00fchren kann und soll, kann und sollte Unterst\u00fctzung suchen. Ob beim Career Service der Universit\u00e4t, im Gespr\u00e4ch mit den Dozierenden oder \u00fcber Praktika. Eine Anlaufstelle fehlte allerdings: Wer \u00fcber Forschung und Lehre am Institut diskutieren m\u00f6chte, wer konkrete Kritik und vielleicht sogar Verbesserungsvorschl\u00e4ge hat und wer wirklich aktiv mitgestalten m\u00f6chte, kann die Fachschaft Politik jederzeit kontaktieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir treffen uns jeden Montag ab 20 Uhr. Ihr seid herzlich eingeladen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hier der Link zum Beitrag im Ruprecht:<\/em><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"XP8x0FnR6X\"><p><a href=\"https:\/\/www.ruprecht.de\/2023\/02\/03\/powi-lasst-es-lieber\/\">Powi \u2013 lasst es lieber<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Powi \u2013 lasst es lieber&#8220; &#8212; ruprecht\" src=\"https:\/\/www.ruprecht.de\/2023\/02\/03\/powi-lasst-es-lieber\/embed\/#?secret=5eewgooAdf#?secret=XP8x0FnR6X\" data-secret=\"XP8x0FnR6X\" width=\"525\" height=\"296\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen Ausgabe des Ruprecht besch\u00e4ftigt sich ein anonymer \u201eErfahrungsbericht\u201c mit dem Politikwissenschaftsstudium an unserer Universit\u00e4t. 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